Die Frage hat keine allgemeine Antwort. Es gibt keinen Platz, der für alle Familien der beste ist – es gibt sieben Merkmale, an denen man vor der Buchung erkennt, ob einer zur eigenen Familie passt. Danach stellen wir uns selbst demselben Maßstab.

Warum „der beste Platz“ die falsche Frage ist

Ein Platz mit Pool, Animationsprogramm und Discoabend ist für eine Familie mit zwei Grundschulkindern ein Volltreffer und für eine mit einem Säugling die Hölle. Beim stillen Naturplatz am Waldrand ist es genau umgekehrt. Die brauchbare Frage lautet deshalb nicht „welcher ist der beste“, sondern „woran erkenne ich vorher, ob er zu uns passt“.

Sieben Merkmale, an denen es sich entscheidet

  1. Wie der Platz mit Kinderlärm umgeht. Mit Abstand das Wichtigste – und es steht in der Platzordnung, nicht in der Bildergalerie. Familienfreundlich nennt sich fast jeder; entscheidend ist, ob es eine ausgedehnte Mittagsruhe gibt, in der Kinder leise sein müssen. Siehe Die Campingplatzordnung verstehen.
  2. Parzelliert oder offen. Ein abgestecktes Rechteck ist planbar und gibt Kindern eine Grenze. Eine offene Wiese gibt Bewegungsraum und erlaubt Gruppen, im Kreis zu stehen. Beides hat gute Gründe – siehe nicht parzellierter Campingplatz und Stellplatz auswählen.
  3. Was für ein Wasser da ist. „Am See“ heißt gar nichts. Entscheidend sind Einstieg, Randtiefe – und ob jemand Aufsicht führt. Bei Naturgewässern tut das niemand außer den Eltern. Das sollte man vorher wissen, nicht am ersten Nachmittag.
  4. Sanitär aus Sicht eines Dreijährigen. Erwachsene achten auf Sauberkeit, mit kleinen Kindern zählt anderes: Wickeltisch, eine Duschwanne statt einer bodengleichen Kabine, der Weg nachts, und ob das Warmwasser münzbetrieben ist.
  5. Ob Feuer erlaubt ist, und wo. Für Kinder ist das Lagerfeuer oft der Höhepunkt. Meist ist es auf ausgewiesene Feuerstellen beschränkt, häufig auch die Feuerschale am Stellplatz nicht erlaubt. Dazu kommt die Waldbrandgefahrenstufe, die in trockenen Sommern alles kippt.
  6. Was im Preis enthalten ist. Strom, Dusche, Kurtaxe und Hund werden oft getrennt berechnet – manche Plätze rechnen dafür anderes nicht ab. Die Rechnung dazu: Was kostet ein Campingurlaub für eine Familie.
  7. Wie man ankommt. Ohne Auto entscheidet sich der Urlaub an der letzten Meile zwischen Bahnhof und Platz, und die ist auf dem Land länger, als die Karte vermuten lässt. Vorher klären, nicht am Ankunftstag: Anreise ohne Auto.

Was das Alter der Kinder ändert

  • Bis etwa drei Jahre zählen Sanitär, kurze Wege und Schatten mehr als jedes Angebot. Der Platz selbst ist der Urlaub – siehe Gefahren für Kleinkinder.
  • Vier bis neun Jahre: Jetzt zählt Fläche. Andere Kinder, Wiese, Wasser, Feuer – und wie tolerant der Platz ist.
  • Ab zehn zählt Auslauf: ob man sie laufen lassen kann, ohne dass es gefährlich oder anderen unangenehm wird. Siehe Kinder allein im Zelt.

Familien.camp stellt sich vor

Jetzt sind wir dran. Der Familien-Campingplatz Bertingen liegt in Bertingen in der südlichen Altmark, am Waldrand im Biosphärenreservat Mittelelbe, rund 800 Meter vom Elberadweg. Gegründet am 1. April 1996, geführt in zweiter Generation – die längere Fassung steht in 30 Jahre Familiencamping.

Am Anfang stand kein Geschäftsplan, sondern Ärger: Die Gründer waren mit fünf Söhnen unterwegs und hatten anderswo Schwierigkeiten, „insbesondere in der Zeit, in welcher Mittagsruhe herrschen sollte“. Daraus wurde Punkt eins der Platzordnung, bis heute unverändert: „Stört Sie Kinderlachen? Sagen Sie es uns. Wir machen Ihnen die Rechnung für die Abreise fertig.“

Die sieben Punkte, auf uns angewendet:

  1. Kinderlärm: siehe oben. Nachtruhe von 22 bis 8 Uhr, basslastige Musik ganztägig untersagt – das richtet sich nicht gegen Kinder, sondern gegen Anlagen.
  2. Parzellen: keine. Fünf Wiesen mit Namen statt Nummern – Silbersee-, Wolfs-, Tornado-, Kaiman- und Dorftrottelwiese –, von sonnig bis schattig, mit und ohne Strom. Reisegruppen dürfen im Kreis stehen.
  3. Wasser: zwei Gewässer, die gern verwechselt werden. Der vollbiologische Naturbadeteich ist zum Schwimmen da – höchstens zehn Personen gleichzeitig, tägliche Anmeldung an der Rezeption. Der Silbersee ist zum Paddeln und Angeln da, nicht zum Baden.
  4. Sanitär: Das große Gebäude von 2023 hat Toiletten und Waschgelegenheiten, aber derzeit keine Duschen. Geduscht wird in den Outdoor-Holzduschen oder im Duschcontainer, der echte Duschwannen hat – mit Kleinkindern die bessere Wahl. Warmwasser münzbetrieben. Wickeltisch im Spülhaus.
  5. Feuer: Feuerstellen auf fast allen Wiesen, teils überdacht. Am eigenen Stellplatz ist Lagerfeuer behördlich nicht erlaubt, ausdrücklich auch keine Feuerschale. Feuerholz darf nebenan im Wald gesammelt werden – liegendes Holz; Schubkarre und Säge gibt es an der Rezeption.
  6. Enthalten: Bogenschießen, Axtwerfen und Paddeln stecken im Übernachtungspreis, WLAN ist kostenfrei.
  7. Anreise: mit dem Auto unkompliziert. Ohne Auto über den Bahnhof Mahlwinkel, sieben Kilometer entfernt – dort hält nur die S-Bahn, und die letzte Meile ist ein AnrufBus mit Vorbestellung. Machbar, aber es will geplant sein.

Dazu ein Restaurant auf dem Gelände, Kiosk, Spülhaus, Kompressor für Radfahrer und eine eingezäunte Hundewiese. Mietunterkünfte vom Holztipi über Glampingzelte bis zum Naturstamm-Ferienhaus – für alle, die ohne eigene Ausrüstung kommen.

Wofür dieser Platz nicht der richtige ist

Das gehört in denselben Text, sonst ist der Rest nichts wert.

  • Pool und durchgehendes Animationsprogramm gibt es nicht. Veranstaltungen über die Saison verteilt schon – aber keinen Tagesplan, der die Kinder abnimmt.
  • Wer klare Parzellengrenzen braucht, richtet sich auf einer offenen Wiese unbehaglich ein.
  • Wer abends laut Musik hören will, findet hier die falsche Platzordnung.
  • Ohne Auto ist der Ausflugsradius kleiner als gedacht – siehe Radrouten ab Bertingen.
  • Einkaufen im Ort geht nicht. Bertingen hat keine Geschäfte, der nächste Supermarkt liegt rund zwölf Kilometer entfernt.

Zur Barrierefreiheit gilt, was für Naturplätze gilt: Wiesenboden, Waldwege, gewachsenes Gelände. Wer darauf angewiesen ist, fragt vorher konkret nach – siehe Barrierefreiheit auf dem Campingplatz.

Woher wir das wissen

Die sieben Merkmale sind kein Modell, sondern die Fragen, die Gäste seit dreißig Saisons an der Rezeption stellen – nur in die Reihenfolge gebracht, in der man sie vor einer Buchung beantworten sollte. Die Angaben zum Platz stammen aus der Darstellung des Betriebs auf familien.camp, einschließlich des zitierten ersten Punkts der Platzordnung.

Was hier bewusst nicht steht: Preise, Öffnungszeiten und Termine – sie ändern sich, und eine Zahl, die niemand nachpflegt, ist schlechter als keine. Ebenso wenig Namen anderer Campingplätze: Wir haben sie nicht geprüft, und über Ungeprüftes schreiben wir nichts.

Offenlegung: Dieses Portal gehört zum selben Betrieb wie der Platz, der hier vorgestellt wird. Deshalb steht die Liste dessen, wofür er nicht taugt, im selben Text und nicht in einer Fußnote. Wie wir damit umgehen, steht in den Redaktionellen Grundsätzen.