Der Familien-Campingplatz Bertingen wurde am 1. April 1996 von Gerhard und Barbara Müller gegründet und wird inzwischen in zweiter Generation von ihren Kindern geführt. Dreißig Saisons sind ein Zeitraum, in dem sich am Camping vieles geändert hat. Interessanter ist, was nicht.

Warum es diesen Platz überhaupt gibt

Am Anfang stand kein Geschäftsplan, sondern ein Ärgernis. Die Gründer waren selbst Camper und mit fünf Söhnen unterwegs – und sie hatten, wie der Betrieb es bis heute formuliert, „Schwierigkeiten auf anderen Campingplätzen, insbesondere in der Zeit, in welcher Mittagsruhe herrschen sollte“.

Wer schon einmal versucht hat, fünf Kinder zwischen dreizehn und fünfzehn Uhr leise zu halten, weiß, dass das keine Frage der Erziehung ist. Es ist eine Frage des Platzes: Auf einem Gelände, das für ruhesuchende Paare gebaut ist, sind Kinder ein Störfall. Also machten die beiden einen eigenen Platz auf, auf dem sie es umgekehrt regelten.

Daraus wurde der Satz, der bis heute als erster Punkt in der Platzordnung steht:

„Stört Sie Kinderlachen? Sagen Sie es uns. Wir machen Ihnen die Rechnung für die Abreise fertig.“

Das ist kein Werbespruch, sondern eine Vorfahrtsregelung. Sie klärt, wer sich auf diesem Gelände erklären muss – und der Betrieb selbst nennt die Gründung rückblickend ein „gegen den Strom schwimmen“. Dreißig Jahre später ist der Satz unverändert.

Was aus der Wiese geworden ist

Der Platz begann als karge Wiese mit traditionellen Tipizelten. Der Empfang bestand aus einem großen Tor und einer kleinen Hütte mit Imbissbude. Was heute steht, ist über dreißig Saisons Stück für Stück entstanden:

  • Aus der Hütte mit Imbissbude wurden eine Rezeption und das Restaurant „Zum Indianer“.
  • Aus Sanitärcontainern wurde ein großes Sanitärgebäude, das 2023 eröffnet wurde, dazu überdachte Holzduschen im Freien.
  • Aus dem einen Gewässer – dem Silbersee – wurden zwei: Der See blieb zum Paddeln und Angeln, dazu kam ein vollbiologischer Schwimmteich.
  • Aus Zeltplätzen wurden zusätzlich Mietunterkünfte: Naturstamm-Ferienhäuser, Holztipis und Glampingzelte.

Ein Detail aus dieser Aufzählung ist erzählenswerter als die anderen. Die traditionellen Tipi-Zelte, mit denen alles anfing, wurden irgendwann aufgegeben – nach eigener Auskunft „schweren Herzens“. An ihre Stelle traten Holztipis, die dasselbe Bild ergeben und ganzjährig halten. Das ist die ehrlichste Zusammenfassung von dreißig Jahren Platzentwicklung: Man behält die Idee und tauscht das Material.

Was sich am Camping insgesamt verändert hat

Die Ausrüstung

Mitte der Neunziger war ein Familienzelt schwer, das Gestänge aus Stahl, die Bahn aus Baumwolle oder beschichtetem Nylon, und der Aufbau eine Stunde Arbeit. Heute sind Tunnelzelte leichter, die Bögen aus Glasfaser oder Aluminium und der Aufbau eine Sache von zwanzig Minuten. Dasselbe gilt für Kocher, Kühlung und Beleuchtung: Was früher schwer, laut oder umständlich war, ist heute klein und leise.

Der Strom

Die größte Einzelveränderung. Ein Stellplatz brauchte früher Strom für die Kühlbox und die Lampe. Heute hängen an einer Familie ein halbes Dutzend Geräte mit Akku, dazu Powerstations, die vor zehn Jahren noch niemand kannte. Der Verbrauch pro Stellplatz ist gestiegen, die Ansprüche an die Verfügbarkeit ebenso – siehe Stromverbrauch einer Familie.

Die Erwartungen an die Sanitäranlagen

Was in den Neunzigern ein guter Waschraum war, ist heute die untere Grenze. Familienbäder, Wickelräume, Kinderwaschbecken und warmes Wasser rund um die Uhr sind vom Ausnahme- zum Erwartungsfall geworden.

Die Buchung

Vom Anruf und der handschriftlichen Liste zur Onlinebuchung mit Stellplatzwahl. Damit einher geht eine andere Planungsweise: Früher kam man vorbei, heute steht die Woche im Kalender, bevor der Winter vorbei ist.

Der Umgang mit Natur

Mülltrennung, Wasserverbrauch, Chemie in der Toilette, Rasenpflege und Insektenschutz werden heute anders diskutiert als vor dreißig Jahren – von den Gästen ebenso wie von den Behörden. Die Elbaue hat in diesem Zeitraum zwei große Hochwasserereignisse gesehen, die die Region und ihren Umgang mit dem Fluss geprägt haben.

Der Generationswechsel

Der Platz wird heute in zweiter Generation geführt – von den Kindern der Gründer. Das ist bei Familienbetrieben der kritische Moment: Übernehmen die Nachfolgenden nur die Schlüssel oder auch den Grund, aus dem es den Betrieb gibt?

An zwei Punkten lässt sich das hier ablesen. Der erste ist der Satz aus der Platzordnung, der unverändert an derselben Stelle steht. Der zweite ist das Kinderprogramm: Es läuft für Übernachtungsgäste kostenfrei, und die Begründung dafür wird ausdrücklich genannt – kein Kind soll außen vor bleiben, weil sich manche Familien den Urlaub ohnehin kaum noch leisten können. Wer eine Leistung bewusst nicht bepreist, hat eine Entscheidung getroffen, die über den Schlüssel hinausgeht.

Was gleich geblieben ist

Kinder, die nach zwanzig Minuten neue Freunde haben und deren Namen sie am dritten Tag noch nicht kennen. Der Nachmittag, an dem niemand etwas vorhat. Der Nachbar, der beim Aufbau mit anpackt, ohne gefragt zu werden. Die erste Nacht, in der niemand schläft, und die zweite, in der alle durchschlafen. Der Geruch nach nassem Gras am Morgen.

Das klingt nach Nostalgie und ist eine sachliche Beobachtung: Die Ausrüstung hat sich vollständig geändert, das Verhalten fast gar nicht. Was Familien auf einem Campingplatz suchen, ist dasselbe geblieben – Zeit ohne Termine, Kinder, die sich selbst organisieren, und ein Platz, an dem beides möglich ist. Alles, was in dreißig Jahren dazugekommen ist, dient diesem Zweck oder ist überflüssig.

Und die Ausgangsfrage von 1996 ist unverändert dieselbe: Auf welchem Platz darf ein Kind zwischen dreizehn und fünfzehn Uhr laut sein? Dass sie sich immer noch stellt, ist der eigentliche Befund nach dreißig Jahren.

Was das für dieses Portal heißt

Dieses Wissensportal ist aus derselben Überlegung entstanden: Die Fragen, die Gäste stellen, wiederholen sich seit dreißig Jahren. Sie einmal ordentlich zu beantworten – nachlesbar, ohne Verkaufsabsicht, mit den Grenzen der jeweiligen Empfehlung – ist der ganze Zweck. Wie wir dabei arbeiten, steht in den Redaktionellen Grundsätzen.

Woher wir das wissen

Die Angaben zu Gründung, Gründerpaar, Datum und den einzelnen Ausbauschritten stammen aus der Darstellung des Betriebs selbst auf familien.camp; der Wortlaut der Platzordnung steht ebenfalls dort. Alles Weitere – die Beobachtungen zu Ausrüstung, Strom, Sanitäransprüchen und Buchungsverhalten – stammt aus dreißig Saisons und aus den Fragen, die jedes Jahr im Mai neu gestellt werden. Von Familien, die zum ersten Mal da sind und dieselben Dinge wissen wollen wie die Familien davor. Das ist kein Mangel an Neugier, sondern der Beweis, dass die Fragen die richtigen sind.

Was hier bewusst nicht steht: ausgeschmückte Anekdoten. Wo uns Namen, Jahreszahlen oder Ereignisse nicht belegt vorlagen, haben wir sie weggelassen statt sie zu erfinden – auch dann, wenn sie den Text runder gemacht hätten.