Campingurlaub ohne Auto ist mit Kindern anspruchsvoll, aber nicht ausgeschlossen. Er scheitert selten an der Bahnfahrt und meistens an den letzten sieben Kilometern. Genau die lassen sich planen – wenn man weiß, wie.
Der Bahnhof heißt Mahlwinkel
Der nächstgelegene Halt zum Campingplatz ist Mahlwinkel: rund sieben Kilometer, etwa acht Minuten mit dem Auto. Er liegt an der zweigleisigen, elektrifizierten Strecke zwischen Magdeburg und Wittenberge; bedient wird er von der S-Bahn, die zwischen Stendal und Magdeburg im Stundentakt verkehrt. Magdeburg ist in gut einer halben Stunde erreicht, Stendal in gut einer Viertelstunde.
Der Regional-Express hält in Mahlwinkel nicht. Er fährt dieselbe Strecke, aber vorbei. Wer bei der Buchung nur die Verbindung Magdeburg–Stendal eingibt und die schnellste nimmt, landet in Wolmirstedt oder Stendal und hat sich die letzte Meile auf zwanzig Kilometer verlängert. Also den Halt eingeben, nicht die Strecke.
Die anderen Halte in der Umgebung liegen deutlich schlechter: Tangerhütte knapp zwölf Kilometer, Angern-Rogätz rund siebzehn – obwohl Angern-Rogätz Luftlinie näher liegt als Mahlwinkel. Dazwischen liegt die Elbaue, und durch eine Aue führen keine Straßen. Wer die Karte auf dem Telefon liest, unterschätzt das regelmäßig um die Hälfte.
Für die Fahrt selbst gilt: Fahrradmitnahme in Regionalzügen ist möglich, in der Hauptsaison aber begrenzt und teils reservierungspflichtig. Wer mit mehreren Rädern reist, klärt das vorher.
Die letzte Meile – und hier steckt die eigentliche Arbeit
Sieben Kilometer zwischen Bahnhof und Platz sind mit Zelt, Kühlbox und Kindern kein Spaziergang. Es fahren Busse, aber man muss wissen, welche – und das ist der Punkt, an dem die meisten Reisenden falsch abbiegen:
- Der AnrufBus ist die Verbindung, die wirklich trägt. Auf der Strecke Mahlwinkel–Bertingen fährt eine Linie im Wesentlichen auf Bestellung: Die Abfahrtszeiten stehen im Fahrplan, aber ohne Anmeldung kommt kein Fahrzeug. Der Vorlauf beträgt mehrere Stunden. Dafür fährt sie an sieben Tagen in der Woche, auch sonntags und feiertags – das kann keine der regulären Linien.
- Die regulären Linienfahrten helfen bei der Anreise kaum. Sie erreichen Bertingen nur an Werktagen und überwiegend nur an Schultagen; am Wochenende und in den Ferien enden sie unterwegs. Für eine Anreise am Samstag – dem häufigsten Anreisetag überhaupt – sind sie wertlos.
- Achtung bei „Linientaxi“ im Fahrplan. Diese Fahrten haben beschränkte Kapazität und nehmen teils ausdrücklich nur Handgepäck mit. Mit Campingausrüstung sind sie nicht nutzbar, auch wenn sie zur passenden Zeit im Fahrplan stehen.
- Taxi. Auf dem Land nicht spontan verfügbar – vorbestellen.
- Abholung durch den Platz. Manche Betriebe bieten das an oder vermitteln es. Fragen kostet nichts.
- Mit dem Rad. Sieben Kilometer sind fahrbar, wenn das Gepäck an die Räder passt.
Was beim Bestellen gesagt werden muss: Abfahrtszeit laut Fahrplan, Ein- und Ausstiegshaltestelle, Zahl der Personen und Menge des Gepäcks. Die letzten beiden werden am häufigsten vergessen und sind für Campingreisende die entscheidenden. Und: den Rückweg gleich mitbestellen – dort gilt dieselbe Vorlaufzeit.
Verbindlich sind immer der aktuelle Fahrplan der Linie und die Auskunft der Bestellannahme; beides steht beim Verkehrsverbund. Die Zeiten ändern sich, das Prinzip nicht.
Was das für die Ausrüstung heißt
- Alles muss getragen oder gefahren werden. Das schließt Kühlbox, Campingmöbel und große Zelte praktisch aus.
- Mietunterkunft statt eigenem Zelt ist ohne Auto oft die realistische Variante, siehe Ohne eigene Ausrüstung campen.
- Vor Ort einkaufen statt Vorräte mitzuschleppen – dafür braucht es einen erreichbaren Laden oder einen Kiosk auf dem Platz.
- Wenige, große Gepäckstücke statt vieler kleiner. Mit Kindern hat man ohnehin nur zwei Hände.
Wie man vor Ort mobil bleibt
Ohne Auto ist der Radius kleiner, und das verändert den Urlaub. Was in Reichweite bleibt: der Platz selbst, die Umgebung zu Fuß, der Elberadweg mit Fähren und Rundkursen, siehe Radrouten ab Bertingen. Was schwierig wird: Tagesausflüge zu Zielen ohne Bahnanschluss – Arendsee, Havelberg, kleinere Tierparks.
Eine gute Kombination ist Rad plus Bahn: mit dem Rad die sieben Kilometer nach Mahlwinkel, von dort mit der S-Bahn weiter. Magdeburg ist so in gut einer halben Stunde erreichbar und wird damit zum Regentagsziel ohne Auto – mehr dazu in Mit dem Zug nach Magdeburg. Stendal liegt in der Gegenrichtung noch näher, siehe Stendal mit Kindern.
Die ehrliche Einordnung
Ohne Auto ist ein Campingurlaub in dieser Region möglich, aber er sieht anders aus: weniger Ausflüge, mehr Platz und Umgebung, weniger Gepäck. Für Familien, die genau das suchen, ist es kein Nachteil. Wer viele Ziele abfahren will, braucht ein Auto – das ist keine Wertung, sondern die ländliche Realität.
Woher wir das wissen
Die Gäste, die ohne Auto anreisen, sind fast immer Radreisende auf dem Elberadweg. Familien mit Zeltgepäck und kleinen Kindern kommen praktisch nie ohne Fahrzeug – und wenn, dann in eine Mietunterkunft. Die Angaben zu Halt, Linien und Bestellpflicht stammen aus dem Kursbuch der Deutschen Bahn und den Fahrplänen des zuständigen Busbetreibers, geprüft am 23. August 2026. Zeiten stehen hier bewusst keine: Sie ändern sich, das Prinzip nicht.