Die Frage stellt sich spätestens am zweiten Abend, wenn der Kocher wieder aufgebaut werden soll. Sie hat eine finanzielle und eine zeitliche Seite, und die zweite wird meist unterschätzt.

Die finanzielle Seite

Selbstversorgung ist deutlich günstiger, aber nicht so viel, wie die reinen Lebensmittelkosten vermuten lassen. Dazu kommen:

  • Anschaffung und Abnutzung von Kocher, Töpfen, Kühlung, Geschirr.
  • Gas oder Strom fürs Kochen und die Kühlung – bei Landstrom oft nach Verbrauch abgerechnet.
  • Verderb. Ohne Kompressorkühlung landet im Sommer regelmäßig etwas im Müll, siehe Lebensmittel lagern bei Hitze.
  • Anfahrt zum Einkauf. Auf dem Land sind das je Einkauf mehrere Kilometer.
  • Kleinmengen. Wer für eine Woche kauft, kauft teurer ein als zu Hause – kleine Packungen, kein Vorrat, kein Angebot.

Unterm Strich bleibt Selbstversorgung günstiger. Der Abstand ist aber kleiner, als eine Überschlagsrechnung mit Restaurantpreisen ergibt.

Die zeitliche Seite

Das ist der eigentliche Punkt. Eine warme Mahlzeit für vier Personen auf einem Kocher bedeutet:

  1. Einkaufen – auf dem Land inklusive Fahrt gut eine Stunde.
  2. Vorbereiten und Kochen – ohne Küchenzeile länger als zu Hause.
  3. Essen.
  4. Abwaschen – am Spülplatz, mit Wegen, siehe Abwasch mit System.

Zusammen sind das leicht drei Stunden am Tag. Auf eine Woche gerechnet ist das ein voller Urlaubstag – und in dieser Zeit passiert nichts anderes.

Die Mischung, die funktioniert

Die meisten Familien landen nach zwei Tagen von allein bei einem Muster:

  • Frühstück selbst. Einfach, günstig, ohne Zeitdruck – siehe Frühstück auf dem Campingplatz.
  • Mittags kalt. Brot, Rohkost, Reste. Kein Kocher, kein Abwasch.
  • Abends warm, meistens selbst gekocht – siehe One-Pot-Küche.
  • Ein bis zwei Abende auswärts pro Woche: der Anreiseabend und ein Abend mittendrin.

Der Anreiseabend ist dabei der wirksamste. Nach Fahrt und Aufbau ist Kochen die schlechteste Idee des Tages – wer diesen Abend einplant, startet die Woche entspannter.

Wann sich auswärts besonders lohnt

  1. Am Anreisetag. Siehe oben.
  2. Am Regentag. Kochen im Vorzelt bei Dauerregen ist eine Übung in Geduld.
  3. Nach einem langen Ausflugstag, wenn alle spät und müde zurückkommen.
  4. Bei großer Hitze, wenn ein Kocher das Vorzelt zusätzlich aufheizt.
  5. Am letzten Abend, wenn die Vorräte aufgebraucht und die Kisten gepackt sind.

Die Rechnung für Gruppen

Bei Klassenfahrten und Vereinsfahrten kippt sie: Selbstversorgung ist dort der größte Kostenhebel, kostet aber Programmzeit und Personal – dazu steht mehr in Was eine Klassenfahrt kostet und Verpflegung für 30 Kinder.

Die ehrliche Einordnung

Wer knapp kalkuliert, kocht selbst – das ist der Hebel mit der größten Wirkung auf die Urlaubskosten. Wer Zeit als knappes Gut betrachtet, gibt einen Teil davon ab. Beides ist eine legitime Entscheidung, und beides sollte man einmal bewusst treffen statt jeden Abend neu zu verhandeln.

Woher wir das wissen

Familien, die für den Anreiseabend nichts zu kochen geplant haben, wirken am nächsten Morgen erholter. Das ist die einzige Empfehlung zu diesem Thema, die wir unabhängig vom Budget geben würden.

Offenlegung

Das Restaurant „Zum Indianer“ liegt am Familien-Campingplatz Bertingen und gehört zum selben Betrieb wie dieses Portal. Termine, Preise und Anmeldung stehen ausschließlich auf zum-indianer.de – hier steht nur, worum es geht. Wie wir mit solchen Fällen umgehen, erklären die Redaktionellen Grundsätze.