Der Waldboden sieht aus wie Abfall und ist eine Verarbeitungsanlage. Was im Herbst herunterfällt, ist im übernächsten Jahr Erde – und alles, was dazwischen passiert, findet in den obersten Zentimetern statt.

Die Schichten

  1. Frische Streu. Ganze Blätter, erkennbar, trocken. Das Material vom letzten Herbst.
  2. Zersetzungsschicht. Blätter mit Löchern, brüchig, dunkler. Hier wird gearbeitet.
  3. Humus. Krümelig, dunkelbraun, riecht nach Wald. Nichts ist mehr als Blatt erkennbar.
  4. Mineralboden. Heller, sandiger – in der Altmark oft sehr sandig.

Diese vier Schichten mit den Fingern durchzugehen dauert eine Minute und erklärt mehr als jede Zeichnung. Danach lässt man das Loch wieder zu.

Wer dort arbeitet

  • Regenwürmer. Ziehen Blätter nach unten und mischen die Schichten. Die auffälligste Arbeit sichtbar an Häufchen und Löchern.
  • Asseln und Tausendfüßer. Zerkleinern das Material, damit die Kleineren daran können.
  • Springschwänze und Milben. Winzig, in riesiger Zahl – man sieht sie erst mit einer Lupe.
  • Pilze. Der eigentliche Zersetzer. Was man als Pilz sieht, ist nur der Fruchtkörper; das Geflecht durchzieht den Boden.
  • Bakterien. Unsichtbar und für den größten Teil der Arbeit zuständig.

Drei Versuche für einen Nachmittag

  1. Der Zersetzungstest. Ein Stück Apfel, ein Blatt und ein Stück Plastik an einer markierten Stelle unter Laub legen. Nach drei Tagen nachsehen. Das Ergebnis braucht keinen Kommentar.
  2. Der Schwammtest. Eine Handvoll Waldboden und eine Handvoll Sand von der Wiese nebeneinander, beide mit Wasser übergießen. Der Waldboden hält es, der Sand lässt es durch. Das erklärt, warum Wald für den Wasserhaushalt wichtig ist.
  3. Die Handvoll zählen. Eine Handvoll Streu auf ein weißes Tuch schütteln und zählen, wie viele Tiere sich bewegen. Danach zurückschütten.

Was man dabei nicht tut

Keine großen Löcher graben, keine Wurzeln freilegen, keine Pflanzen ausreißen und nichts mitnehmen. In Wäldern gelten Betretungsregeln, und in Schutzgebieten kommen weitere hinzu – siehe Naturschutz im Biosphärenreservat. Ein Loch von Handgröße, das man wieder schließt, ist der Rahmen.

Der Wald in der Altmark

Auf den Sandböden der Region wachsen viel Kiefern, dazu Eichen und Birken; in der Aue steht Auwald mit Weiden, Pappeln und Eschen. Die Streu unterscheidet sich deutlich: Kiefernnadeln zersetzen sich langsam und machen den Boden sauer, Laub geht schneller. Wer beide Böden nebeneinander untersucht – ein paar Meter reichen oft –, sieht den Unterschied ohne Erklärung.

Woher wir das wissen

Der Versuch, der bei Kindern hängen bleibt, ist der mit dem Plastik. Nach drei Tagen ist der Apfel angefressen, das Blatt löchrig – und das Plastik unverändert. Danach muss man über Müll im Wald nicht mehr diskutieren.