Sammeln ist für Kinder eine der stärksten Beschäftigungen im Wald. Genau deshalb braucht es hier eine Regel, die vor der ersten Runde steht und nicht während der zehnten diskutiert wird.

Die eine Regel

Nichts wird gegessen, was nicht ein Erwachsener ausdrücklich freigegeben hat. Keine Beere, kein Pilz, kein Blatt, kein Halm – auch nicht probiert, auch nicht abgeleckt. Diese Regel gilt unabhängig davon, wie sicher ein Kind sich ist, und sie gilt auch für Kinder, die schon oft mitgesammelt haben.

Der Grund ist nicht Misstrauen. Er ist, dass mehrere der gefährlichsten Pilze und Beeren in Mitteleuropa harmlosen Arten sehr ähnlich sehen und dass eine Verwechslung bei Kindern wegen des geringeren Körpergewichts schwerer wiegt.

Wer eine Bestimmung verantworten kann

Nicht ein Buch, nicht eine App und nicht dieser Beitrag. Verantworten kann sie eine Person, die es gelernt hat – bei Pilzen sind das Pilzsachverständige, die es über die zuständigen Fachverbände und häufig über Kommunen und Gesundheitsämter gibt. Wer regelmäßig sammeln will, geht einmal zu einer Pilzberatung und lernt dort mehr als aus jedem Bildband.

Im Verdachtsfall: Bei Anzeichen einer Vergiftung – Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Schwindel, Verwirrtheit nach dem Verzehr – gilt der Notruf beziehungsweise die zuständige Giftinformationszentrale. Reste des Gegessenen aufheben, sie helfen bei der Bestimmung. Nicht abwarten und nicht selbst behandeln.

Was rechtlich gilt

  • Handstraußregel. Wildwachsende Blumen, Gräser, Farne, Beeren und Pilze dürfen in geringen Mengen für den eigenen Bedarf gesammelt werden – nicht gewerblich und nicht in Mengen.
  • Besonders geschützte Arten sind davon ausgenommen, dazu gehören auch mehrere Pilzarten.
  • In Naturschutzgebieten und in Kernzonen des Biosphärenreservats ist das Sammeln in der Regel untersagt, siehe Naturschutz im Biosphärenreservat.
  • Eingezäunte Flächen, Kulturen und Privatgrundstücke sind tabu.
  • Verbindliche Auskunft gibt die zuständige Behörde.

Was Kinder trotzdem dürfen

Fast alles außer Essen. Suchen, zeigen, zählen, fotografieren, zeichnen, in ein Heft eintragen. Ein Pilz, der stehen bleibt und den man wiederfindet, ist eine bessere Beobachtung als einer im Korb – man kann ihn über Tage wachsen sehen. Und beim Suchen lernen Kinder das, worauf es ankommt: dass es viele verschiedene gibt und dass Unterschiede winzig sein können.

Praktische Hinweise fürs Sammeln mit Erwachsenen

  1. Korb statt Tüte – in Plastik verderben Pilze schnell.
  2. Nur sichere und junge Exemplare, und immer nur, was die sachkundige Person freigibt.
  3. Ganz herausdrehen und den Stielgrund anschauen – dort sitzen die entscheidenden Merkmale mehrerer gefährlicher Arten.
  4. Nichts vermischen. Ein einziger falscher Pilz macht den ganzen Korb zum Problem.
  5. Waschen. Bodennah wachsende Beeren werden vor dem Verzehr gewaschen; Hinweise zum Umgang mit Fuchsbandwurm und anderen Erregern geben die Gesundheitsbehörden.

Woher wir das wissen

Die Regel funktioniert nur, wenn sie ohne Abstufungen formuliert ist. Sobald es heißt „Brombeeren darfst du“, beginnt beim nächsten roten Etwas die Verhandlung. Ein klares Nein für alles, und die Freigabe kommt im Einzelfall von den Erwachsenen – das verstehen schon Vierjährige.