Ein Campingplatz ist nachts nicht leer – er hat nur andere Bewohner. Die meisten davon hört man, bevor man sie sieht, und einige sieht man nie.
Wer unterwegs ist
- Igel. Der häufigste nächtliche Gast auf Plätzen. Zu erkennen an einem erstaunlich lauten Rascheln und Schmatzen im Gebüsch – nicht an einem Bild.
- Fledermäuse. Jagen über Wasserflächen und Wegen, oft unter Laternen, wo Insekten sich sammeln. Ihr Flug ist ruckartig, nicht gleitend.
- Marder und Fuchs. Beide gehen an Müll. Wer Abfall offen stehen lässt, findet ihn morgens verteilt.
- Reh und Wildschwein am Waldrand, in der Dämmerung. Auf Wildschweine trifft man in der Region durchaus – Abstand halten, Hund anleinen, nicht dazwischengehen.
- Eulen. Waldkauz und Waldohreule sind zu hören, der Ruf trägt weit.
- Nachtfalter, Grillen, Ohrwürmer. Die eigentliche Masse.
Wie man zuschaut
- Sitzen bleiben. Tiere kommen zu einem ruhigen Beobachter, nicht zu einer suchenden Gruppe.
- Rotlicht statt weiß. Es stört die Tiere weniger und erhält die eigene Nachtsicht.
- Nicht anleuchten. Ein geblendetes Tier flieht oder erstarrt – beides ist Stress.
- Zuhören statt suchen. Die meisten nächtlichen Beobachtungen sind Hörbeobachtungen.
- Nicht füttern. Auch nicht den Igel. Angefütterte Wildtiere werden zutraulich, und das endet für sie schlecht.
Das Nachtfalter-Tuch
Ein weißes Betttuch spannen und eine Lampe davorstellen – nach einer halben Stunde sitzen Nachtfalter darauf. Es ist die eindrücklichste Naturbeobachtung, die man auf einem Platz ohne Ausrüstung machen kann, weil die Vielfalt überrascht. Zwei Regeln: nicht die halbe Nacht laufen lassen und am Ende das Licht ausschalten, damit die Tiere weiterziehen. Und die Nachtruhe der Nachbarn kommt vor der der Falter – ein helles Licht mitten auf der Wiese ist keine gute Idee.
Warum Licht ein Problem ist
Künstliches Licht zieht nachtaktive Insekten an und hält sie fest, bis sie erschöpft sind. Für einen Campingplatz heißt das praktisch: Lampen nach unten richten, warmweiß statt kaltweiß, und nachts ausschalten, was nicht gebraucht wird. Das ist gleichzeitig eine Frage der Rücksicht gegenüber den Nachbarn, siehe Beleuchtung auf dem Zeltplatz.
Mit Kindern
Eine halbe Stunde reicht. Länger halten die wenigsten still, und das Interessanteste passiert ohnehin in den ersten zwanzig Minuten. Gut kombinierbar mit einer Nachtwanderung oder einem Blick nach oben, siehe Sternenhimmel über der Altmark.
Woher wir das wissen
Das Tier, nach dem am Morgen am häufigsten gefragt wird, ist der Igel – weil ihn nachts alle gehört und niemand gesehen hat. Ein Igel im Laub klingt nach einem deutlich größeren Tier, und genau das ist der Grund für die Frage.