Die Erdbeere ist nach dem Spargel das zweite Saisonprodukt, an dem man in dieser Region den Unterschied zwischen frisch und transportiert schmeckt – aus demselben Grund: Sie hält nicht.
Warum Erdbeeren nicht reisen
Eine reife Erdbeere hat kein festes Gewebe, keine Schale und einen hohen Wasseranteil. Sie reift nach der Ernte nicht mehr nach – was man pflückt, ist der Endzustand. Deshalb werden Früchte für lange Transportwege früher geerntet, fester und weniger süß. Eine vollreife Erdbeere vom Feld ist ein anderes Produkt, und das merkt man ohne Vergleichsverkostung.
Die Saison
Im Freiland dauert sie etwa sechs Wochen, meist von Ende Mai oder Anfang Juni bis in den Juli. Der Start hängt am Frühjahrswetter, das Ende an Witterung und Sorte. Geschützter Anbau unter Folie zieht den Beginn vor, verlängert die Saison aber nicht ins Unendliche. Was im Herbst im Handel liegt, ist Importware – daran ist nichts verwerflich, es hat nur mit Regionalität nichts zu tun.
Selbstpflücken mit Kindern
Es ist eine der wenigen landwirtschaftlichen Tätigkeiten, die Kinder sofort beherrschen, und dadurch eine gute Ausflugsform. Was man vorher weiß:
- Früh am Tag fahren. Vormittags sind die Früchte kühl und die Felder weniger abgesammelt.
- Eigene Schalen mitnehmen oder die vom Hof nehmen – Erdbeeren in Tüten sind nach zehn Minuten Mus.
- Nur rote Früchte, mit dem Stiel abknicken statt herausziehen.
- Nicht über die Reihen laufen. Zwischen den Dämmen gehen, nicht darauf.
- Sonnenschutz. Ein Erdbeerfeld hat keinen Schatten, und man ist länger da als geplant.
- Waschen. Auf dem Feld wird nach Absprache probiert; gewaschen wird zu Hause – und zwar vor dem Entfernen des Grüns, sonst zieht das Obst Wasser.
Die Rechnung
Selbstpflücken lohnt sich für Familien selten wegen des Preises und fast immer wegen der Menge und der Erfahrung. Realistisch: Man pflückt mehr, als man an zwei Tagen essen kann. Deshalb gehört ein Plan dazu – Marmelade, Kuchen, Einfrieren.
Was man auf dem Campingplatz damit macht
- Frisch essen. Der beste Verwendungszweck, und keiner braucht Kühlung länger als einen Tag.
- Erdbeeren mit Quark oder Joghurt – ein Frühstück ohne Kocher.
- Kalte Erdbeersuppe, püriert mit etwas Zucker und Zitrone.
- Auf der Platte kurz angeröstet mit etwas Zucker – ungewöhnlich und für Kinder überraschend gut.
- Einfrieren geht nur mit Gefrierfach; ohne eines werden sie am selben Tag verarbeitet.
Lagerung: Erdbeeren kommen ungewaschen, flach ausgebreitet und kühl in den Kühlschrank – nicht übereinander in eine geschlossene Dose. Bei Camping-Temperaturen halten sie kaum einen Tag, siehe Lebensmittel lagern bei Hitze.
In der Küche
Für eine Küche, die saisonal arbeitet, ist die Erdbeere ein sechswöchiges Fenster – danach verschwindet sie von der Karte, statt durch Importware ersetzt zu werden. Das ist dieselbe Logik wie beim Spargel und aus demselben Grund richtig, siehe Spargel direkt vom Feld.
Woher wir das wissen
Die häufigste Rückmeldung nach einem Pflücknachmittag ist nicht der Geschmack, sondern die Menge: Fast alle Familien pflücken deutlich mehr, als sie geplant hatten. Wer vorher weiß, was daraus wird, ärgert sich nachher nicht.
Offenlegung
Das Restaurant „Zum Indianer“ liegt am Familien-Campingplatz Bertingen und gehört zum selben Betrieb wie dieses Portal. Termine, Preise und Anmeldung stehen ausschließlich auf zum-indianer.de – hier steht nur, worum es geht. Wie wir mit solchen Fällen umgehen, erklären die Redaktionellen Grundsätze.