Auf jeder Zeltverpackung steht eine Zahl in Millimetern. Sie klingt nach Sicherheit und beschreibt doch nur einen Teil der Wahrheit.

Was gemessen wird

Die Wassersäule gibt an, wie viel Wasserdruck ein Gewebe aushält, bevor Feuchtigkeit durchtritt. Geprüft wird nach einer Norm: Über einer eingespannten Stoffprobe steigt der Wasserdruck, bis auf der Rückseite drei Tropfen erscheinen. Der Druck an diesem Punkt, umgerechnet in die Höhe einer Wassersäule, ist der angegebene Wert.

3.000 mm bedeutet also: Eine drei Meter hohe Wassersäule könnte auf dem Stoff stehen, ohne dass er durchlässt. In Deutschland gilt ein Gewebe ab 1.300 mm als wasserdicht.

Was das für ein Familienzelt heißt

  • Dach: 3.000 mm sind ein brauchbarer Richtwert. Mehr schadet nicht und entscheidet wenig.
  • Boden: 5.000 mm oder mehr. Hier wirkt punktueller Druck durch Körpergewicht – ein Knie auf dem Boden erzeugt ein Vielfaches dessen, was ein Regenschauer schafft.
  • Vorzelt und Sonnensegel: dürfen niedriger liegen, weil dort niemand kniet und die Fläche steiler steht.

Woran Zelte tatsächlich undicht werden

Fast nie am Gewebe. In dieser Reihenfolge:

  1. Nähte. Jede Naht ist eine Reihe von Löchern. Sind sie nicht verschweißt oder verklebt, kommt dort Wasser durch, egal wie hoch die Wassersäule ist.
  2. Kontakt von innen. Wo ein Schlafsack, eine Tasche oder ein Kinderfinger an der Außenhaut anliegt, wandert Feuchtigkeit entlang. Das ist der häufigste gemeldete Zeltmangel, der keiner ist.
  3. Der Boden unter Druck. Wer auf einer nassen Wiese kniet, presst Wasser durch.
  4. Reißverschlüsse. Ohne überdeckende Leiste läuft Wasser hinein.
  5. Alterung. Die Beschichtung löst sich nach Jahren, besonders wenn das Zelt feucht eingelagert wurde.

Kondenswasser ist kein Leck

Morgens sind die Innenwände feucht, obwohl es nicht geregnet hat. Das ist Kondensat: Vier schlafende Menschen geben pro Nacht rund einen Liter Wasser als Atemfeuchte ab. Es hilft nur Lüften – Belüftungsöffnungen offen lassen, auch bei Regen, auch wenn es kühl ist.

Was statt der Zahl zählt

Beim Zeltkauf sind drei Dinge aussagekräftiger als die Wassersäule: verschweißte Nähte, ein eingenähter und mindestens zehn Zentimeter hochgezogener Boden, und Belüftungsöffnungen, die sich auch bei Regen öffnen lassen. Wer darauf achtet, kann die Millimeterangabe getrost überlesen.

Woher wir das wissen

Wenn nach einer Regennacht jemand ein undichtes Zelt meldet, liegt es in den meisten Fällen an einer der ersten beiden Ursachen. Die dritte Frage lautet dann fast immer: Lag etwas an der Wand an?