Schnitzen ist auf einem Campingplatz die Beschäftigung mit der besten Quote: Sie kostet nichts, hält lange, und am Ende hat das Kind etwas in der Hand. Sie funktioniert aber nur mit einem festen Regelwerk.
Ab wann
Es gibt kein Alter, das für alle passt. Als Anhaltspunkt gilt: Ein Kind kann schnitzen, wenn es zuhören, eine Regel einhalten und die Hand bewusst führen kann – bei vielen Kindern ist das mit sechs oder sieben der Fall, bei manchen früher, bei manchen deutlich später. Entscheidend ist nicht das Alter, sondern die Bereitschaft, das Messer wegzulegen, wenn man es sagt.
Welches Messer
- Fest stehende Klinge statt Klappmesser. Ein Klappmesser ohne Arretierung schlägt beim Abrutschen zu.
- Kurze Klinge, etwa handbreit, mit abgerundeter Spitze für Anfänger.
- Scharf. Ein stumpfes Messer verlangt Kraft und rutscht ab – es ist gefährlicher als ein scharfes.
- Griff, der zur Hand passt, und ein Fingerschutz zwischen Griff und Klinge.
- Eine Scheide, in der das Messer steckt, wenn nicht geschnitzt wird.
Die fünf Regeln
- Im Sitzen schnitzen, nie im Gehen und nie im Stehen.
- Immer vom Körper weg. Die Bewegung geht nach außen, nie zu sich hin.
- Armlänge Abstand. Wer schnitzt, streckt beide Arme aus und dreht sich einmal – was er berührt, ist zu nah.
- Ein Messer, eine Hand. Die andere Hand hält das Holz hinter der Schnittrichtung, nicht davor.
- Messer weg heißt Messer weg. Sofort, ohne Diskussion, in die Scheide.
Drei Projekte für den Anfang
- Stockbrotstock. Rinde ab, Spitze anschrägen – das erste Projekt, weil es einen Zweck hat, siehe Stockbrot.
- Zeltheringe aus Haselnussholz. Ein Ende angespitzt, am anderen eine Kerbe für die Leine.
- Butterstreicher oder Marshmallow-Spieß. Klein, schnell fertig, brauchbar.
Für alle drei gilt: frisches, biegsames Holz lässt sich leichter schneiden als trockenes. Haselnuss und Weide sind gutmütig, Nadelholz harzt, Eiche ist zu hart für Kinderhände.
Woher das Holz kommt
Nicht vom lebenden Baum. Das Schneiden von Ästen an Bäumen ist im Wald nicht zulässig, in Schutzgebieten erst recht nicht. Verwendet wird liegendes Totholz oder Material, das der Platz zur Verfügung stellt. Was in der Umgebung erlaubt ist, sagt die Platzleitung oder die zuständige Forstbehörde – mehr dazu im Beitrag Naturschutz im Biosphärenreservat.
Die Grenze
Schnitzen findet unter direkter Aufsicht statt, nicht in Sichtweite. Ein Pflaster und eine gereinigte Wunde gehören zur Ausstattung, denn Schnitte passieren auch bei guter Vorbereitung. Tiefe Schnitte, Verletzungen an Sehnen oder Nerven und alles, was nicht schnell aufhört zu bluten, gehören ärztlich versorgt – nicht mit dem Verbandskasten allein.
Woher wir das wissen
Die Regel, die den größten Unterschied macht, ist die mit dem Abstand. Fast alle Schnitte, die auf einem Platz passieren, betreffen nicht die schnitzende Hand, sondern jemanden, der zu nah danebensaß.