Es ist die häufigste Frage am zweiten Morgen: Das Kind hat gefroren, obwohl der Schlafsack laut Angabe bis fünf Grad geht. Beides stimmt, und trotzdem passt es nicht zusammen.

Erstens: Der Boden zieht mehr Wärme als die Luft

Ein Schlafsack isoliert nach oben. Nach unten wird er zusammengedrückt und verliert damit fast seine gesamte Wirkung. Was von unten wärmt, ist ausschließlich die Unterlage. Wer ein Kind auf eine dünne Isomatte legt, hat den teuren Schlafsack umsonst gekauft.

Praktisch heißt das: Eine dickere Matte bringt bei kalten Nächten deutlich mehr als ein wärmerer Schlafsack. Notlösung, wenn nichts anderes da ist: eine Decke unter das Kind, nicht darüber.

Querschnitt durch einen Schlafplatz im Zelt Über dem Körper ist der Schlafsack locker und isoliert gut. Unter dem Körper wird er vom Gewicht zusammengedrückt und verliert seine Wirkung fast vollständig. Die Wärme nach unten hält allein die Isomatte, dargestellt als grüne Schicht zwischen Schlafsack und Zeltboden. Zeltboden und Erde – ziehen Wärme ab Isomatte – hier entsteht die gesamte Isolierung nach unten Schlafsack, zusammengedrückt Schlafsack, locker – isoliert Kind Wo die Wärme verloren geht Nach oben hält der Schlafsack. Nach unten hält nur die Matte.
Unter dem Körper wird die Füllung des Schlafsacks zusammengedrückt und isoliert kaum noch. Was nach unten wärmt, ist ausschließlich die Unterlage – deshalb wirkt eine dickere Matte mehr als ein wärmerer Schlafsack.

Zweitens: Die Temperaturangabe gilt nicht für Kinder

Schlafsäcke werden nach einer Norm geprüft, und die Angaben beziehen sich auf standardisierte erwachsene Testpersonen. Kinder haben im Verhältnis zum Volumen mehr Körperoberfläche und kühlen dadurch schneller aus. Der Komfortwert eines Schlafsacks ist für ein Kind also optimistisch – nicht falsch, aber nicht übertragbar.

Drittens: Der Schlafsack ist zu groß

Ein Kind im Erwachsenenschlafsack heizt einen halben Kubikmeter Luft mit. Das gelingt nicht. Wer keinen Kinderschlafsack hat, stopft das Fußende mit Kleidung aus – das verkleinert den Innenraum und wirkt sofort.

Viertens: nass geschwitzt eingeschlafen

Kinder toben bis zum letzten Moment und gehen aufgeheizt ins Zelt. Zwei Stunden später ist die Kleidung feucht und kühlt aus. Ein Wechsel-T-Shirt direkt vor dem Schlafen löst das Problem, kostet nichts und wird selten gemacht.

Was tatsächlich hilft

  1. Dickere Unterlage, notfalls eine zweite Matte oder eine Decke darunter
  2. Trockene Kleidung zum Schlafen, Mütze bei kalten Nächten
  3. Schlafsack passend zur Körpergröße, Fußende ausstopfen
  4. Eine Decke zusätzlich griffbereit, nicht im Auto

Was nicht hilft

Eine Wärmflasche, die um drei Uhr kalt ist und dann kühlt. Mehrere Lagen Kleidung, die einschnüren und die Durchblutung mindern. Und der Rat, das Kind zu sich zu nehmen – das wärmt, löst aber das Problem der Unterlage nicht.

Woher wir das wissen

Aus dreißig Jahren zweiter Morgen an der Rezeption. Die Frage nach der zweiten Decke ist die häufigste überhaupt – und in neun von zehn Fällen liegt es an der Matte, nicht am Schlafsack.