Der zweite oder dritte Tag ist statistisch der schwierigste. Die Aufregung ist weg, die Routine noch nicht da. Was dann auftritt, lässt sich fast immer einer von drei Ursachen zuordnen – und die Gegenmittel sind unterschiedlich.

Heimweh

Woran man es erkennt: Das Kind will nach Hause, fragt nach vertrauten Personen oder Dingen, wird abends anhänglich, isst wenig.

Was hilft: Vertrautes herstellen – das gewohnte Ritual, das eigene Kissen, ein Anruf zu einer festen Zeit statt bei jedem Anflug. Eine überschaubare Perspektive geben: nicht „noch fünf Tage“, sondern „morgen machen wir X“. Und die Sache ernst nehmen, ohne sie zu vergrößern. Heimweh ist kein Fehler des Kindes.

Was nicht hilft: Ablenkung durch mehr Programm, Vergleiche mit anderen Kindern, und das Versprechen, früher abzureisen – letzteres macht aus einer Stimmung ein Ziel.

Langeweile

Woran man sie erkennt: Herumhängen, Quengeln, alles ablehnen, was vorgeschlagen wird.

Was hilft: Zunächst aushalten. Langeweile ist auf einem Campingplatz meist ein Zwischenzustand von zwanzig Minuten. Hält sie an, wirkt eine Aufgabe besser als ein Angebot: etwas holen, etwas bauen, etwas mit Werkzeug. Und der Kontakt zu anderen Kindern – der lässt sich anstoßen, indem man selbst mit den Nachbarn spricht.

Was nicht hilft: das Tablet am ersten Tag. Danach ist es die Messlatte für alles Weitere.

Überforderung

Woran man sie erkennt: Wutausbrüche wegen Kleinigkeiten, Rückzug, Schlafprobleme, körperliche Beschwerden ohne Befund. Bei kleinen Kindern sieht sie oft aus wie Trotz.

Was hilft: weniger. Einen Tag ohne Programm, weniger Menschen, mehr Rückzug – notfalls eine Stunde allein im Zelt mit einem Buch. Überforderung entsteht auf einem Platz häufig durch Dauerreiz: ständig Menschen, ständig Geräusch, nie eine geschlossene Tür.

Was nicht hilft: Ermahnungen und Konsequenzen. Ein überreiztes Kind wird durch Druck nicht ruhiger.

Die Erwachsenen

Alle drei Krisen gibt es auch bei Erwachsenen, nur heißen sie anders. Wer am dritten Tag gereizt ist, hat meist zu wenig geschlafen und zu viel organisiert. Der Beitrag Wie viel Programm ein Campingtag braucht ist auch dafür geschrieben.

Wann es mehr ist

Anhaltende Traurigkeit, Schlafstörungen über mehrere Nächte, Rückzug über Tage oder körperliche Beschwerden, die bleiben, sind kein Urlaubsthema. Dafür ist die Kinderarztpraxis zuständig – im Urlaub die ärztliche Bereitschaft, zu Hause die eigene Praxis.

Woher wir das wissen

Der schwierige Tag kommt fast immer, und er kommt fast immer am zweiten oder dritten. Familien, die das vorher wissen, deuten ihn als das, was er ist – eine Umstellung – und nicht als Zeichen, dass der Urlaub nicht funktioniert.