Wer im Elbtal Urlaub macht, sieht eine Landschaft, die von einem einzigen Vorgang geformt wurde: Der Fluss tritt regelmäßig über die Ufer. Alles andere – die Flachheit, die Wiesen, der Auwald, die Deiche, die Dörfer auf den Anhöhen – folgt daraus.

Warum das Land flach ist

Die Elbe hat über sehr lange Zeiträume Material abgelagert, das sie aus dem Gebirge mitgebracht hat: Sand, Kies, feiner Schlick. Bei jedem Hochwasser bleibt etwas davon liegen – grob in der Nähe des Flusses, fein weiter draußen. Das Ergebnis ist eine breite, ebene Talaue. Die leichten Erhebungen darin sind alte Flussarme und Uferwälle. Wer sich fragt, warum die Dörfer im Elbtal auf kaum sichtbaren Hügeln liegen, hat die Antwort: Sie liegen auf den einzigen Stellen, die trocken blieben.

Warum der Fluss steigt

  • Frühjahrshochwasser durch Schneeschmelze im Einzugsgebiet, vor allem in den Mittelgebirgen.
  • Sommerhochwasser nach lang anhaltenden, großflächigen Regenfällen – die Ursache der großen Ereignisse der letzten Jahrzehnte.
  • Verzögerung. Der Regen fällt weit weg und kommt Tage später an. Deshalb kann die Elbe bei Sonnenschein steigen.

Was eine Aue leistet

Eine Aue ist kein Schadensgebiet, sondern ein Puffer. Wo der Fluss sich ausbreiten darf, verteilt sich das Wasser auf eine große Fläche, der Scheitel sinkt, und die Welle wird langsamer. Wo er eingedeicht ist, steigt der Wasserstand stattdessen an. Das ist der Grund, warum Deichrückverlegungen und Flutungspolder heute Teil des Hochwasserschutzes sind – man gibt dem Fluss Fläche zurück.

Dazu kommt die ökologische Seite: Auwald, Altarme und regelmäßig überflutete Wiesen sind Lebensräume, die es nur unter diesen Bedingungen gibt – mit Arten, die anderswo verschwunden sind. Deshalb steht ein großer Teil der Mittelelbe unter Schutz, siehe Biosphärenreservat Mittelelbe.

Was das für einen Aufenthalt bedeutet

  1. Im Frühjahr stehen Wiesen unter Wasser. Das ist der Normalzustand einer Aue und kein Ausnahmezustand.
  2. Uferwege können unpassierbar sein, und Fähren stellen bei bestimmten Pegelständen den Betrieb ein.
  3. Pegelstände veröffentlichen die zuständigen Behörden. Vor einer Radtour am Fluss lohnt der Blick, siehe Elberadweg Magdeburg–Tangermünde.
  4. Campingplätze liegen in der Regel außerhalb der überflutungsgefährdeten Bereiche – wo genau, sagt der jeweilige Platz.

Was man Kindern zeigen kann

  • Hochwassermarken an Häusern und Brücken in den Orten. Nichts erklärt die Sache schneller.
  • Buhnen – die steinernen Rippen im Fluss, die die Strömung lenken. Warum sie da sind, ist eine gute Frage für einen Spaziergang.
  • Auwaldbäume: Weiden und Pappeln, die wochenlanges Hochwasser aushalten, während andere Arten es nicht tun.
  • Altarme: abgetrennte alte Flussschleifen, an denen man sieht, wo der Fluss früher lief.

Die Sicherheitsseite

Die Elbe ist kein Badegewässer. Strömung, Sog durch die Berufsschifffahrt und Rückströmungen in den Buhnenfeldern sind auch für gute Schwimmer gefährlich. Am Ufer gilt zusätzlich: Abstand zur Kante, weil Uferbereiche unterspült sein können.

Woher wir das wissen

Die Frage, die Gäste im Frühjahr am häufigsten stellen, ist, ob das Hochwasser ein Problem sei. Die kurze Antwort: für die Wege ja, für die Landschaft nein. Sie sieht so aus, weil das jedes Jahr passiert.