Die Diskussion beginnt meistens am zweiten Regentag, und dann verläuft sie schlecht. Sinnvoll ist es, sie vorher zu führen – zu Hause, bevor gepackt wird.

Warum ein pauschales Verbot selten hält

Es hält, solange das Wetter mitspielt. Am ersten langen Regennachmittag wird es aufgeweicht, und ab da gibt es keine Regel mehr, sondern eine tägliche Verhandlung. Wer stattdessen von Anfang an sagt, wann und wie lange, spart sich die Verhandlung – und behält die Möglichkeit, das Gerät als Reserve zu nutzen, statt es als Niederlage einzusetzen.

Was auf einem Campingplatz ohnehin passiert

Der Bedarf ist geringer, als Eltern erwarten. Auf einem belebten Platz sind Kinder draußen, weil draußen andere Kinder sind – nicht weil das Tablet verboten wäre. Die Ausnahmen sind vorhersehbar: die Autofahrt, der Regennachmittag, die Stunde nach dem Mittagessen, und der Abend, wenn kleinere Geschwister schlafen.

Eine Regel, die funktioniert

  1. Feste Zeitfenster statt Minutenkonto. „Nach dem Mittagessen eine Stunde“ ist einfacher als eine tägliche Bilanz.
  2. Ort festlegen. Im Vorzelt, nicht im Schlafbereich – und nicht mitten unter anderen Kindern, das erzeugt Streit auf dem ganzen Platz.
  3. Kopfhörer. Auf einem Platz ohne Wände ist das eine Frage der Rücksicht.
  4. Regentag ist ein anderer Tag. Das darf man ausdrücklich so vereinbaren, statt es stillschweigend zuzulassen.
  5. Abends Schluss. Im Zelt leuchtet ein Bildschirm für alle.

Die Alternativen, die tatsächlich ziehen

  • Hörspiele. Der wirksamste Ersatz – sie funktionieren im Dunkeln, im Auto, im Regen und bei Müdigkeit, und sie halten das Kind nicht am Bildschirm fest.
  • Bücher und Comics. Auf einem Campingplatz werden sie erstaunlich viel mehr gelesen als zu Hause.
  • Kartenspiele. Ein Skatblatt ist das kleinste und beste Regentagsgerät.
  • Ein laufendes Projekt, an dem über Tage gebaut wird, siehe Posen selbst bauen.
  • Der Notfallkoffer für drei Stunden Dauerregen, siehe Regentag-Notfallkoffer.

Der praktische Nebenaspekt: Strom

Ohne Landstrom ist die Frage schnell entschieden – Akkus halten nicht ewig, und eine Powerstation für Unterhaltung zu verbrauchen ist eine bewusste Entscheidung. Wer mit begrenztem Strom plant, hat eine Begründung, die nicht pädagogisch ist und deshalb weniger Widerspruch erzeugt, siehe Stromverbrauch einer Familie.

Für Jugendliche

Hier gelten andere Maßstäbe. Für Jugendliche ist das Telefon der Kontakt zu ihren Leuten, und ein Campingplatz bietet ihnen selten Ersatz dafür. Ein pauschales Verbot ist in diesem Alter kein Erziehungsmittel, sondern der sichere Weg zu einer schlechten Woche.

Woher wir das wissen

Auf einem gut belegten Platz sieht man Tablets fast nur an Regentagen und in Fahrzeugen. Was Kinder von Bildschirmen fernhält, sind nicht Regeln, sondern andere Kinder – die Regel braucht man für die Tage, an denen es die nicht gibt.