Eine Wiese sieht von oben aus wie eine grüne Fläche. Von unten, aus zwanzig Zentimetern Höhe, ist sie ein Dickicht mit Stockwerken, Bewohnern und Wegen. Der ganze Trick besteht darin, sich hinzulegen.

Der Quadratmeter

Das Grundspiel: Mit vier Stöcken und einer Schnur einen Quadratmeter Wiese abstecken. Dieser eine Quadratmeter wird untersucht – nicht die ganze Wiese. Die Begrenzung ist der Punkt: Ohne sie schauen Kinder überall hin und nirgends genau.

Aufgaben in diesem Quadrat:

  • Wie viele verschiedene Pflanzen stehen darin? Zählen, nicht benennen.
  • Wie viele Tiere findet man in fünf Minuten? Und in zehn?
  • Wie hoch ist das höchste, wie niedrig das niedrigste Grün?
  • Was passiert, wenn man drei Minuten still liegt? Es kommt mehr zurück, als man denkt.

Die Stockwerke

Eine Wiese hat Etagen, und Kinder verstehen das sofort, wenn man es benennt:

  1. Der Boden. Feucht, dunkel, mit Würmern, Asseln und Wurzeln.
  2. Die Streuschicht. Abgestorbene Halme, in denen Käfer und Spinnen unterwegs sind.
  3. Die Halme. Hier klettern Wanzen und Raupen, hier sitzen Spinnennetze.
  4. Die Blüten. Bienen, Hummeln, Schwebfliegen, Schmetterlinge – die einzige Etage, die man von oben sieht.

Wer dort lebt

Typisch auf einer Wiese in der Altmark: Grashüpfer, Marienkäfer, Weichkäfer, Schwebfliegen, Wildbienen, Hummeln, Wanzen, Spinnen, Ameisen, Regenwürmer, Schnecken. Dazu Vögel, die von den Insekten leben, und mit Glück eine Eidechse an einem warmen Stein.

Zwei Regeln: Anschauen statt anfassen, und nichts mitnehmen. Ein Becherlupenglas ist erlaubt, wenn das Tier danach an derselben Stelle wieder freikommt – und zwar nach Minuten, nicht nach Stunden.

Zur Bestimmung

Ein Bestimmungsspiel heißt hier: erkennen, dass es verschiedene Arten gibt, nicht sie zu benennen. Wer Namen will, nimmt ein Bestimmungsbuch für Kinder oder fragt jemanden, der sich auskennt. Bei Pflanzen gilt zusätzlich: nichts essen, nichts in den Mund nehmen. Mehr dazu in Wildkräuter erkennen.

Wann eine Wiese am meisten hergibt

Vormittags bei Sonne, wenn Insekten aktiv sind, und im späten Frühjahr, wenn die Wiese blüht und noch nicht gemäht ist. Nach dem Mähen ist sie für dieses Spiel weitgehend leer – das ist selbst eine gute Beobachtung und der Anlass für die Frage, wohin die Tiere gehen.

Woher wir das wissen

Der Unterschied zwischen einer abgesteckten und einer offenen Fläche ist erstaunlich groß. Kinder, die einen Quadratmeter zugewiesen bekommen, bleiben eine halbe Stunde daran. Ohne Rahmen sind sie nach fünf Minuten am anderen Ende der Wiese.