Regeln für eine Kindergruppe scheitern nicht daran, dass Kinder sie brechen, sondern daran, dass es zu viele sind. Was am ersten Abend nicht in zwei Minuten erklärt ist, gilt am dritten Tag nicht mehr.

Die sieben Regeln

  1. Wir bleiben im Bereich. Er wird am ersten Abend gemeinsam abgegangen und hat sichtbare Grenzen – ein Weg, eine Hecke, ein Gebäude. Nicht „in der Nähe“.
  2. Ans Wasser nur mit einer erwachsenen Person. Ohne Ausnahme, unabhängig vom Schwimmabzeichen.
  3. Nie allein weggehen. Immer zu zweit, immer mit Bescheid sagen.
  4. Nachtruhe heißt im Zelt bleiben. Wer raus muss, weckt die Betreuungsperson.
  5. Feuer nur mit Erwachsenen. Auch Feuerzeuge und Streichhölzer bleiben bei der Leitung.
  6. Bei Verletzung oder Ärger kommt man zu uns. Sofort, auch mitten in der Nacht, auch wenn es peinlich ist.
  7. Was wir mitbringen, nehmen wir wieder mit. Müll, Sachen, alle Personen.

Warum sieben

Mehr merkt sich niemand. Alles Weitere – Zähneputzen, Essenszeiten, Aufräumen – ist Ablauf, nicht Regel. Der Unterschied ist wichtig: Regeln gelten immer und werden nicht verhandelt; Abläufe kann man ändern, wenn es sinnvoll ist. Wer beides mischt, entwertet die Regeln.

Wie man sie einführt

  • Am ersten Abend, vollzählig, im Sitzen. Nicht im Vorbeigehen und nicht auf dem Zettel im Elternbrief allein.
  • Mit Begründung. „Ans Wasser nur mit Erwachsenen, weil wir euch nicht alle gleichzeitig sehen können“ wirkt besser als eine Ansage.
  • Von den Kindern wiederholen lassen. Wer sie einmal selbst gesagt hat, kennt sie.
  • Sichtbar aufhängen, im Küchenzelt oder am Treffpunkt.
  • Konsequenzen vorher nennen, und zwar solche, die man auch umsetzt.

Was gut funktioniert

  • Feste Kleingruppen mit einer festen Betreuungsperson. Kinder wissen dann, zu wem sie gehören und wer sie zählt.
  • Ein Treffpunkt und ein Signal. Eine Glocke, ein Ruf, eine Trillerpfeife – bei diesem Signal kommen alle. Das wird einmal geübt, spielerisch, am ersten Tag.
  • Zählen bei jedem Wechsel, nicht nach Gefühl.
  • Ämter statt Ermahnungen. Küchendienst, Feuerdienst, Müllrunde – wer eine Aufgabe hat, macht weniger Unsinn.

Konflikte

Sie kommen, meist am zweiten oder dritten Tag, wenn die Aufregung nachlässt. Bewährt hat sich: früh und beiläufig eingreifen statt spät und förmlich, getrennt sprechen statt vor der Gruppe, und keine Kollektivstrafen – sie erzeugen Solidarität gegen die Leitung statt Einsicht. Zum Umgang mit Heimweh siehe Heimweh, Langeweile, Überforderung.

Auf einem Campingplatz zusätzlich

Eine Gruppe ist Gast unter anderen Gästen. Die Platzordnung gilt für sie wie für alle – Nachtruhe, Wege, fremde Stellplätze, Fahrgeschwindigkeit. Der Unterschied zur eigenen Wiese ist, dass nebenan Familien mit kleinen Kindern schlafen. Das erklärt man Jugendlichen einmal, und meistens reicht das.

Die Grenze

Regeln ersetzen keine Aufsicht. Die Aufsichtspflicht bleibt bei den Betreuenden, unabhängig davon, wie gut die Gruppe die Regeln kennt – siehe Aufsichtspflicht im Zeltlager.

Woher wir das wissen

Gruppen, bei denen es reibungslos läuft, haben fast immer dasselbe Merkmal: ein Signal, auf das alle kommen, und feste Kleingruppen. Beides kostet zehn Minuten am ersten Tag und erspart eine Woche Suchen.