Es gibt wenige Tiere, die Kinder ohne Vorkenntnis erkennen. Der Weißstorch gehört dazu – groß, weiß, rote Beine, unverwechselbar. Und in der Elbaue sieht man ihn nicht im Zoo, sondern auf der Wiese neben dem Radweg.

Warum ausgerechnet hier

Störche brauchen zwei Dinge: feuchte, offene Wiesen zum Jagen und einen erhöhten, sicheren Platz zum Brüten. Die Elbaue liefert beides. Regelmäßig überflutete Wiesen sind reich an Fröschen, Mäusen, Insekten und Regenwürmern – genau dem, was ein Storch frisst. Und die Dörfer haben Dächer, Schornsteine und Masten.

Wo die Aue trockengelegt und in Acker umgewandelt wurde, verschwinden die Störche. Das ist der Grund, warum ihre Zahl in weiten Teilen Deutschlands zurückging und hier vergleichsweise stabil blieb.

Der Jahreskalender

ZeitraumWas passiert
Ende März bis AprilAnkunft aus dem Winterquartier, Besetzen der Nester, Klappern
April bis MaiEiablage und Brut, etwa 32 Tage
Mai bis JuliAufzucht der Jungen, ständiges Anfliegen mit Futter
Juli bis AugustJunge werden flügge, Übungsflüge rund ums Nest
AugustSammlung in Gruppen auf Wiesen, Abzug nach Süden
September bis Märzkeine Störche – bis auf einzelne Überwinterer

Die beste Beobachtungszeit für Familien liegt zwischen Mai und Juli: Die Nester sind besetzt, die Altvögel fliegen ständig, und auf den Wiesen ist etwas zu sehen.

Beobachten mit Kindern

Am Nest

Von der Straße oder vom Weg aus, mit Abstand. Ein Fernglas macht den Unterschied zwischen einem weißen Fleck und einem Erlebnis – und es kostet weniger als jeder Zoobesuch.

Was Kinder erkennen können: Wer bringt Futter, wie viele Junge sind es, wie oft wird gewechselt. Das trägt eine halbe Stunde und mehr.

Auf der Wiese

Störche laufen langsam und stechen dann plötzlich zu. Wer eine Weile zusieht, sieht die Jagd – und das ist eindrücklicher als das Nest.

Besonders ergiebig: kurz nach der Mahd. Wo gemäht wird, stehen oft mehrere Störche gleichzeitig, weil Frösche und Mäuse ihre Deckung verlieren.

Was man wissen sollte

  • Das Klappern ist die Stimme. Störche haben keine Rufstimme im eigentlichen Sinn – sie verständigen sich mit dem Schnabel.
  • Nicht jeder große weiße Vogel ist ein Storch. Silberreiher sind ähnlich groß, aber ganz weiß mit gelbem oder schwarzem Schnabel und ohne rote Beine.
  • Der Schwarzstorch lebt im Wald, ist scheu und selten – wer einen sieht, hat Glück gehabt.
  • Nester sind geschützt, auch wenn sie unbesetzt aussehen.

Abstand halten

Störche gewöhnen sich an Menschen in ihrer Umgebung, aber nicht an Menschen, die näher kommen. Während der Brut kann eine Störung dazu führen, dass Altvögel das Gelege verlassen. Deshalb: von Wegen aus beobachten, nicht auf Wiesen laufen, Hunde anleinen, Drohnen gar nicht.

Was man mit Kindern daraus machen kann

  • Eine Strichliste der gesehenen Störche über den Aufenthalt
  • Nester auf einer selbst gezeichneten Karte eintragen
  • Beobachten und schätzen: Wie oft kommt ein Altvogel in einer halben Stunde?
  • Federn suchen – finden ja, mitnehmen nur, wenn es sich um Fundfedern handelt

Woher wir das wissen

Zwischen Mai und Juli genügt eine Radtour über die Wiesen, um mehrere Störche zu sehen. Wer ein Fernglas dabeihat, hat den Nachmittag verplant.